Gewinn für alle! Engagement-Marktplätze in Brandenburg

25. Januar 2010

Engagement-Marktplätze sind kurze lokale Veranstaltungen, bei denen an einem Nachmittag in einer dynamischen Atmosphäre direkt gemeinsame Aktivitäten von Unternehmen und gemeinnützigen Einrichtungen zur Verbesserung und Belebung des Gemeinwesens vereinbart werden. Dabei darf über alles gesprochen werden - nur nicht über Geld!

Im Jahr 2006 haben einige Unternehmen am Runden Tisch damit begonnen, die ersten Marktplätze im Land Brandenburg zu organisieren. Nach dem erfolgreichen Start in der Stadt Brandenburg und in Potsdam mit insgesamt 150 neuen Kooperations-Vereinbarungen zwischen Unternehmen und Organisationen werden seit 2007 auch in Cottbus, Fürstenwalde und Teltow Marktplätze von lokalen Vorbereitungs-Komitees organisiert, die von Unternehmen am Runden Tisch unterstützt werden. Mit dieser Verbreitung und der nachhaltigen Verankerung in allen größeren Städten im Land Brandenburg, wo Jahr für Jahr neues Engagement von Unternehmen und neue Kooperationen im Gemeinwesen entstehen, ist die Marktplatz-Initiative eines der erfolgreichsten Projekte des Runden Tisches.

Was der eine übrig hat, kann der andere vielleicht gerade gebrauchen

Auf diesen Marktplätzen geht um all die Möglichkeiten, über die Unternehmen verfügen und die in gemeinnützigen Organisationen gebraucht werden, um ihre Arbeit wirkungsvoller zu machen:

  • Helfende Hände - bspw. um die Außenfläche einer Kita oder den Spielplatz zu verschönern, eine Gruppe betagter Mitbürgerinnen bei einem Ausflug zu begleiten
  • Wissen und Kenntnisse - z.B. um das Faltblatt der Suchtberatung neu zu gestalten, die Elektroinstallation im Neubau der Behinderteneinrichtung abzunehmen, den Server der Beschäftigungsgesellschaft neu einzurichten
  • Hilfsmittel und Logistik - bspw. funktionsfähige Sanitäreinrichtungen für den Jugendclub, eine Fuhre Sand und einen Bagger für das geplante Volleyballfeld des Sportvereins oder Briefmarken für die nächste Versandaktion der Agenda-Gruppe
  • Gelegenheiten und Kontakte - wie z.B. Auftrittsmöglichkeiten für die Theater-AG der Schule, ein Proberaum für die Volkstanzgruppe, die Präsentation des neuen Projekts der Musikschule beim nächsten Treffen des Lions- oder Rotaryclubs

Auf dem Marktplatz kommt dieses Engagement für ein besseres Zusammenleben in der Kommune zusammen, Angebot und Nachfrage finden zueinander, konkrete Vorhaben werden "gematcht".

Das Mögliche und das Nötige tun

Und es geht zu wie auf meinem echten Markt: Wo sich Angebot und Nachfrage treffen, kommt ein Geschäft zustande, es geht um Geben und Nehmen:

  • Unternehmen können auf dem Marktplatz engagierte Vereine, Projekte, Initiativen, Schulen und öffentliche Einrichtungen aus dem Sozial-, Bildungs-, Kultur-, Sport- und Umweltbereich in ihrer Kommune kennen lernen und entscheiden, wo sie ihre Kompetenzen und Ressourcen am besten einsetzen, welches Projekt sie für wichtig halten und was sie für ihren Einsatz bekommen. Die vereinbarte Partnerschaft kann auf eine einmalige Unterstützung begrenzt oder der Beginn einer längerfristigen Beziehung sein. So können sie sich dort für ein besseres Gemeinwesen einsetzen, wo es ihnen nötig und möglich erscheint.
  • Die Organisationen können engagierte Partner aus Industrie, Handel, Dienstleistung, Banken, Handwerk, großen, mittleren und kleinen Unternehmen sowie Selbständige und Freiberufler gewinnen, mit denen ein konkretes Vorhaben möglich oder noch besser wird. Wie beim Einkauf auf dem Markt überlegen auch sie "Was brauche ich tatsächlich?" und halten gezielt Ausschau nach der passenden Unterstützung für ihren konkreten Bedarf. Und sie können Unternehmen ebenfalls etwas bieten: die Unterstützung bei Betriebsfeiern, ihr spezielles Wissen bspw. für Beratungen, gute Gelegenheiten für die Personalentwicklung, direkte Zugänge zu ihren Adressaten, u.v.m. - und nicht zuletzt: die tatkräftige Beteiligung an der Lösung konkreter Probleme am Standort.

Beide zusammen zeigen, wie mit vielen, guten, unerwarteten und kreativen Kooperationen ein besseres Zusammenleben für alle geschaffen werden kann.

Was auf dem Marktplatz nicht gehandelt wird, ist Geld. Bei den anvisierten Kooperationen geht es darum Zeit, Wissen und Know-how, Material, Produkte, Leistungen, Logistik, Gelegenheiten, Kontakte, Zugänge zu Netzwerken und Kreativität für die Entwicklung des gemeinsamen Umfeldes zu aktivieren. Der Marktplatz ist der Ort, an dem die verschiedenen Angebote und Bedarfe der Beteiligten zusammen kommen.

Wirkungsvoll und innovativ

Schließlich geht es bei solchen Partnerschaften darum, zur Lösung von Problemen beizutragen - und dabei für alle Beteiligten einen Nutzen zu erzielen: der ehrenamtliche Einsatz einer Unternehmens-Belegschaft bei der Renovierung eines Spielplatzes steigert zugleich das Wir-Gefühl im Betrieb, ein Jugendverband kann im Gegenzug für technische Hilfe die Betriebsfeier oder den jährlichen Event des Einzelhandels unterstützen, das Autohaus kann alle Probefahrten mit dem neuen Modell mit der Übernahme der Jahresgebühr für die Bibliothek belohnen und so neue Kunden ansprechen. Auf dem Marktplatz werden auch Vereinbarungen zustande kommen, an die vorher niemand gedacht hat. Jeder wird genau dort aktiv, wo er sich am besten einbringen kann, und mit dem, was er gut kann.

Gute Vorbereitung - auch schon als Kooperation

Jeder Marktplatz wird durch ein lokales Komitee vorbereitet, in dem Persönlichkeiten aus der lokalen Wirtschaft, Organisationen und Verwaltung mitwirken. Die Veranstaltung wird moderiert, "Broker" bringen Unternehmen und Organisationen miteinander ins Gespräch. Am Ende stehen Vereinbarungen über die Unterstützung konkreter Projekte und Maßnahmen auf win-win-Basis, die das Gemeinwesen beleben und das Zusammenleben verbessern.

Holländische Idee, deutscher Impuls, brandenburgische Initiative

Die Idee zu diesen Marktplätzen, bei denen Spaß und gute Stimmung nicht zu kurz kommen, stammt aus den Niederlanden. Der Impuls für eine Übersetzung dieser Idee auf Deutschland kommt von der Bertelsmann-Stiftung. Aufgenommen hat ihn der "Runde Tisch Jugend und Wirtschaft", um die Marktplatz-Methode in Brandenburg zu verbreiten und so die Kooperation von Unternehmen und Gemeinnützigen in immer mehr Kommunen zu verankern. Mittlerweile dürften mehr als 500 neue Kooperationen zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen mit konkreten Engagements zur Verbesserung des Gemeinwesens initiiert worden sein.

Marktplatz-Initiativen in Brandenburg können am Erfahrungsaustausch mit den Initiatoren des Runden Tisches teilnehmen, die hier entwickelten Materialien und Checklisten für die Vorbereitung nutzen, und durch UPJ begleitet werden.

"Gewinn für alle! Engagement-Marktplätze in Brandenburg" wird unterstützt von

  • AOK Brandenburg
  • Atlas Informationssysteme
  • dunkelrund - Texte auf den Punkt
  • envia Service
  • E.ON edis
  • GSE PROTECT
  • Heidelberger Druckmaschinen
  • IHK Potsdam
  • Landesjugendamt
  • Märkische Allgemeine Zeitung
  • Manpower Personaldienstleistungen
  • Pro Potsdam
  • sowie von UPJ und dem Runden Tisch Jugend und Wirtschaft

Die Marktplatz-Komitees in Brandenburg, Cottbus, Fürstenwalde, Potsdam und Teltow werden fast alle von Mitgliedern der AG Unternehmenskooperation koordiniert: Caritas-Freiwilligenagentur Brandenburg an der Havel, Freiwilligenagentur des Paritätischen in Cottbus, JuSeV - Jugendhilfe und Sozialarbeit e.V. in Fürstenwalde, Diakonisches Werk Potsdam, Koordinierungsstelle des Landkreises für Freiwilligenarbeit & Bürgerengagement in Teltow.
In den Vorbereitungs-Komitees wirken vor Ort zahlreiche weitere Unternehmen, Organisationen, Verbände und VertreterInnen der jeweiligen Kommunen mit.
Die Schirmherrschaft hat in den meisten Städten die oder der OB übernommen.


Weitere Informationen

Download Kurz-Information Engagement-Marktplätze (210KB)

Sie haben Interesse an weiteren Informationen über die Marktplätze im Land Brandenburg?
Ihr Ansprechpartner bei UPJ:
Dr. Reinhard Lang

Nähere Informationen über die Marktplätze in Brandenburg finden Sie hier:
Marktplatz Brandenburg an der Havel
Marktplatz Cottbus
Marktplatz Eberswalde
Kontakt Marktplatz Fürstenwalde: Katharina Stuht, JuSeV 
Marktplatz Potsdam
Marktplatz Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf: Steffi Wiesner
Marktplatz-Videos aus Cottbus ansehen

Evaluation der Marktplätze in Deutschland

Informationen über die über 80 Kommunen, in denen bereits erfolgreich Marktplätze durchgeführt werden finden Sie auf der Internetseite der Bertelsmann Stiftung www.gute-geschaefte.org

Marktplatz-Leitfaden der Bertelsmann Stiftung